Was ich 2018 gelernt habe

Was Deadlines, Hausaufgaben oder Termine angeht, war ich immer schon der Typ dafür alles in der letzten Sekunde zu machen. Aufgeräumt wurde immer fünf Minuten bevor mein Besuch kam und auch meine Pflichten im Haushalt habe ich aufgeschoben, bis es nicht mehr ging. Besonders ehrgeizig war ich nie. Auch dieser etwas andere „Jahresrückblick“ kommt jetzt nicht unbedingt früh online. 😉

Aber jetzt von vorne. Im Jahr 2018 habe ich endgültig verstanden, warum manche Menschen behaupten ihr Leben wäre eine Achterbahn. Dass es bergauf und auch mal bergab geht ist nichts Neues. Aber dass man in einem Moment 1000 Gefühle spürt, nicht weiß, wo oben und unten ist und denkt, die Achterbahn wird immer nur schneller und bleibt nie wieder stehen, dass sich so auch das eigene Leben anfühlen kann, war mir neu. Mag sein, dass ich mit dieser Erkenntnis spät dran bin und andere schon längst gemerkt haben, was es bedeutet in der „Achterbahn des Lebens“ zu sitzen, ich war in manchen Dingen eher der Spätzünder, als der Trendsetter.

Jetzt zurück zu meinem Jahr. Es fing an wie jedes andere Jahr, es war alles normal, nichts besonders spektakulär. Es war die langweilige Fahrt, die jeder durchleben muss, wenn man am Anfang der Achterbahn erstmal ein Stück, langsam, gewohnt, langweilig nach oben fährt. (Außer das Harry Styles Konzert im März. DAS war der Wahnsinn, ich glaub ich war noch nie so aufgeregt) Bis es ohne Vorwarnung losgeht. Ich bekam auch keine Vorwarnung. Meine Achterbahn stürzte Ende April in die Tiefe. Gefühle der Vorfreude, aber auch der Angst entstehen, wenn man merkt, wie sich die Achterbahn langsam nach unten neigt. Und dann gibt es auch schon kein Zurück mehr. Man stürzt einfach so nach unten. Und irgendwie ist es cool, macht Spaß. Bis man merkt, dass man nicht der Typ für Achterbahnen und doch eher ein Schisser ist. Meine Achterbahn fuhr bergab, weil ich krank wurde. Das ist erstmal kein Drama und ich möchte auch nicht mit meinem Leid vollheulen, aber für mich hat es sich eben genauso angefühlt wie eine Fahrt in einer Achterbahn. Irgendwie war man aufgeregt, weil endlich mal was passiert und man seine Stärke beweisen kann, andererseits pocht immer die Angst im Hinterkopf. (Falls ich jemanden nerve: Da rechts oben ist ein x. Klick da mal drauf. Ist nur so ein Tipp.) Was mein Problem war: Im Mai standen ungefähr 1000 wichtige, besondere und schöne Dinge an. Und ich wollte nicht krank sein. Ich hab mich so geärgert nicht fit sein zu können und das alles nicht mitzuerleben, nicht da zu sein. Und das Schlimmste für mich war, dass man relativ lange von einem Pfeifferischen Drüsenfieber ausgegangen ist (Mein Arzt hat mir nach der Diagnose erzählt, dass Leute davon so schwer krank wurden, dass sie ihren Beruf nicht mehr ausüben konnten. Sehr aufbauend. Ein Jahr vor dem Abitur. Danke an dieser Stelle). Ich wurde mit irgendeinem Antibiotika und Ibuprofen nach Hause geschickt. Über das Wochenende ging es mir dann auch tatsächlich besser und mir wurde verordnet weiter Ibuprofen zu nehmen. Das Problem war nur: Die Krankheit war nicht weg, sondern nur unterdrückt. Das habe ich gemerkt, als ich aufgehört habe die Ibus täglich zu schlucken. Und schwups hing ich wieder in der Ecke. Also wieder zum Arzt, der völlig ratlos, weil mittlerweile klar war, dass es kein Pfeifferisches Drüsenfieber war. Von da aus wurde ich dann ins nächste Krankenhaus geschickt. Nach ca. 5-6 Stunden warten wurde mir gesagt, dass ich in ein Kinderkrankenhaus muss. „Sie sind nicht volljährig“, war die Begründung. Das wussten sie seit meiner Anmeldung, als ich meinen Ausweis vorlegen musste. Nach der Behandlung, die wieder zwei völlig ratlose Ärzte zurücklies, wurde ich also in das nächste Krankenhaus geschickt. Und da dann die Nachricht: Sie sind unsicher, was es ist. Ich muss da bleiben. Ich habe schon Erfahrung gemacht mit Krankenhäusern, also hatte ich alles dabei um mich für eine Nacht dort einzuquartieren. Aus einer Nacht wurden fünf Nächte, in denen ich merkte, dass ich alles war, aber definitiv nicht stark und erwachsen. Das Krankenhaus war nicht in meiner Heimatstadt also ist meine Familie jeden Tag gependelt um mich zu sehen. In der Zeit im Krankenhaus befand ich mich in einer Stelle der Achterbahn in der man das Gefühl hat, aus dem Wagen zu fallen. Das klingt jetzt wahrscheinlich wahnsinnig kitschig, aber ich bin meiner ganzen Familie und meinen Freunden so unfassbar dankbar, dass sie einfach da waren. Nach der knappen Woche im Krankenhaus und einer OP schickte man mich mit den Worten „Wir wissen immer noch nicht was es war, aber wir haben es entfernt, du kannst gehen“ nach Hause. Und ja, es ist auch viel Schönes passiert im Jahr 2018, aber ich schätze, das war mit Abstand der schönste Tag des Jahres.

Ich habe ziemlich rumgejammert auf der letzten Seite, ich weiß, aber irgendwie war das echt ein einschneidendes Erlebnis im letzten Jahr und gefühlt ging 2018 danach für mich erst richtig los.

Das restliche Jahr explodierte nur so vor lauter besonderer und schöner Ereignisse. Ich glaube, diese Zeit, die ich im Krankenhaus verbracht habe, hat mir keine Lebenszeit gestohlen und ich hab auch letztendlich nichts verpasst, so wie es sich oft anfühlt, wenn man krank ist, sondern ich hatte irgendwie viel mehr Zeit auch einfach erwachsener und stärker zu werden. Ich habe in der Zeit gemerkt, wer wirklich für mich da ist, für wen ich wirklich da sein möchte und für was ich da bin. So ein bisschen Zeit schadet manchmal eben nicht.

Durch diesen irgendwie anderen Blickwinkel habe ich den Rest des Jahres intensiver wahrgenommen und auch gehandelt (was genau so gut negativ sein kann, ein bisschen Zurückhaltung ist auch nicht falsch, was ich dann natürlich wieder erst lernen musste 😉 ).

Auf diesen turbulenten Achterbahnstart folgten dann: meine Abschlussfahrt nach Hamburg (die wohl schönste Woche des Jahres), natürlich viel Schulstress, Konzerte, Ausflüge an Seen, ins Theater, zum Essen oder einfach nur die Bar in der Stadt mit meinem Freund, in den Urlaub mit meiner Familie (Das erste mal Frankreich – Ich habe tatsächlich noch nie so gutes Baguette gegessen!), der Start in die 12. Klasse, mein Führerschein (!! Ich kanns selber noch nicht ganz fassen, es tut mir leid 😀 ), ungefähr 1000 wunderschöne Geburtstagspartys, ganz kleine, aber auch große Weihnachtsfeiern und schlussendlich natürlich Silvester mit meinen Freundinnen (aber ohne meine beste Freundin, was bedeutet, dass 2019 mit dem Anfang nicht ganz so gut punkten konnte).

Falls ich dich jetzt über mehrere Zeilen nur gelangweilt habe, was mein Jahr 2018 angeht, sorry, aber naja, genau so wars irgendwie. So zäh, wie sich das mit der Krankheit liest, so hat sichs auch angefühlt und genauso schnell, wie man den Rest des Jahres lesen konnte, so rasant gings an mir vorbei.

Und was hab ich jetzt gelernt? Irgendwie bin ich ängstlicher und gleichzeitig mutiger, ehrgeiziger und auch glücklicher geworden. In vielerlei Hinsicht bin ich stolz auf mich, weil ich alles hinbekommen habe, auch wenn ich selbst nicht ganz weiß, wie. Und genau das macht mich glücklich. Ich habe 2018 niemanden verloren (zum Glück!) und trotzdem fühlt es sich an, als hätte sich mein Leben auf den Kopf gestellt. Irgendwie find ich das schön mal auf dem Kopf zu stehen und alles aus einer anderen Perspektive zu sehen, aber es ist auch oft ziemlich beängstigend, wenn man plötzlich Dinge anders wahrnimmt als früher. Fühlt sich so Erwachsenwerden an? Ich schätze mal. Aber irgendwie macht Erwachsenwerden doch auch ein bisschen Spaß. Denn, wenn Erwachsenwerden auf dem Kopf stehen bedeutet, dann kann man vielleicht auch ein bisschen Pippi Langstrumpf sein.

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